Mein Balkonkastenprogramm

Es ist eigentlich aus dem Zwang entstanden, die Rosenproduktion, die sich in unseren Breitengraden nicht mehr lohnte, zu ersetzen. Rosen wurden in Massen aus südlichen Ländern und Kolumbien eingeführt. Anfang der 80iger Jahre verlegten wir uns dann auf die Produktion von Sommerflor und Schnittchrysanthemen im Herbst.

Wenn ich aber im Sommer durch die Ortschaften fuhr, sah ich sehr oft vergammelte Pflanzen in den Balkonkästen und machte mir Gedanken, wie ich das für meine Kunden ändern könnte. Im nächsten Jahr verteilte ich Zettel mit Anleitungen, wie man Blumen pflanzt und über Sommer pflegt. Ich denke, viele Kunden haben die Informationsblätter gar nicht gelesen, der durchschlagende Erfolg blieb aus.

Der Zufall wollte es, dass ein saarländischer Vertreter von Spieß-Urania mir einen Dünger zeigte, mit dem er nichts anzufangen wusste. Verkaufen ließ der sich auch nicht. Den Bauern, für die er gedacht war, war er zu teuer und die Gärtner wollten ihn nicht. Er erklärte mir, dass es ein Rapsöl ummantelter Dünger ist, der mindestens 4 Monate langsam seine Nährstoffe abgibt.

Ich musste nicht betteln, er schenkte mir einen Sack davon und da es Frühjahr war, probierte ich den Dünger in meinen Balkonkästen aus. Insgesamt 3 Jahre habe ich rumgetüftelt. Es gab schließlich unter den Pflanzen Schwach- und Starkzehrer, also solche die wenig oder viel Dünger benötigten. Lege ich den Dünger besser in die oberste oder unterste Schicht, oder muss ich die Erde mischen, was wieder Arbeit bedeutete? Wieviel Liter Wasser benötigt ein Balkonkasten? Fragen über Fragen taten sich auf. Ich pflanzte dann irgendwann nicht mehr fertige Pflanzen in die Kästen, sondern Stecklinge und kultivierte so die Pflanzen schon im Balkonkasten. Das hatte auch steuerlich einen Vorteil, denn als Dienstleister hätte ich einen Gewerbebetrieb anmelden müssen, so blieb mir der landwirtschaftliche Status erhalten.

Im ersten Jahr habe ich dann 300 Balkonkästen verkauft, nach 4 Jahren waren es 1100 Kästen pro Jahr. Mehr konnte ich nicht mehr annehmen.

Leider fiel dieses Programm Anfang 2000 der Umstrukturierung des Betriebes  zum  Opfer. Aber letztendlich habe ich den Grundstein gelegt, dass dieser Dünger im Gartenbau seinen Siegeszug antrat. Anfangs musste ich den Dünger noch selbst abpacken, weil die Industrie sich weigerte, den Dünger in kleinen Mengen zu verbreiten. Doch mein Erfolg blieb natürlich nicht verborgen. Andere große Firmen griffen die Idee auf, und machten schließlich das Geschäft mit meinen Erfahrungen.

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