Balkonkästen

Mein Balkonkastenprogramm.

balkon-2.jpg

 

Es ist eigentlich aus dem Zwang entstanden, die Rosenproduktion, die sich in unseren Breitengraden nicht mehr lohnte, zu ersetzen. Rosen wurden in Massen aus südlichen Ländern und Kolumbien eingeführt. Anfang der 80iger Jahre verlegten wir uns dann auf die Produktion von Sommerflor und Schnittchrysanthemen im Herbst.

Wenn ich aber im Sommer durch die Ortschaften fuhr, sah ich sehr oft vergammelte Pflanzen in den Balkonkästen und machte mir Gedanken, wie ich das für meine Kunden ändern könnte. Im nächsten Jahr verteilte ich Zettel mit Anleitungen, wie man Blumen pflanzt und über Sommer pflegt. Ich denke, viele Kunden haben die Informationsblätter gar nicht gelesen, der durchschlagende Erfolg blieb aus.

 

Der Zufall wollte es, dass ein saarländischer Vertreter von Spieß-Urania mir einen Dünger zeigte, mit dem er nichts anzufangen wusste. Verkaufen ließ der sich auch nicht Den Bauern, für die er gedacht war, war er zu teuer und die Gärtner wollten ihn nicht. Er erklärte mir, dass es ein Rapsöl ummantelter Dünger ist, der mindestens 4 Monate langsam seine Nährstoffe abgibt.

Ich musste nicht betteln, er schenkte mir einen Sack davon und da es Frühjahr war, probierte ich den Dünger in meinen Balkonkästen aus. Insgesamt 3 Jahre habe ich rumgetüftelt. Es gab schließlich unter den Pflanzen Schwach- und Starkzehrer, also solche die wenig oder viel Dünger benötigten. Lege ich den Dünger besser in die Oberste oder unterste Schicht, oder muss ich die Erde mischen, was wieder Arbeit bedeutete? Wieviel Liter Wasser benötigt ein Balkonkasten? Fragen über Fragen taten sich auf. Ich pflanzte dann irgendwann nicht mehr fertige Pflanzen in die Kästen, sondern Stecklinge und kultivierte so die Pflanzen schon im Balkonkasten. Das hatte auch steuerlich einen Vorteil, denn als Dienstleister hätte ich einen Gewerbebetrieb anmelden müssen, so blieb mir der landwirtschaftliche Status erhalten.

 

balkon-1.jpg

Nach insgesamt 5 Jahren Erprobung kam mir wieder ein Zufall zu Hilfe. Herr Horf aus Harlingen, der damalige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, kam zu mir und bat mich um verbilligten Sommerflor. Ich schlug ihm folgendes vor. Er sollte mir die Balkonkästen aus dem ganzen Dorf bringen und ich würde diese im Februar pflanzen, so dass sie wesentlich schönere Balkonkästen als ihre Mitbewerber hätten. Er brachte 500 Balkonkästen, die ich den Dorfbewohnern im Mai voll blühend zurückbrachte. Die waren begeistert über die Größe der Pflanzen und wie leicht das Pflegen war. Denn ich gab jedem noch mal eine Pflegeanweisung mit, in der auch stand, wie viel Wasser man geben musste.

Das Dorf gewann bei dem Wettbewerb“ Unser Dorf soll schöner werden“ die Goldmedaille. Das ganze Saarland pilgerte nach Harlingen und jeder meiner Kunden erzählte stolz, wo diese schönen Balkonkasten her waren. Im nächsten Jahr pflanzte ich 1500 Balkonkästen, das Jahr darauf schon 3000. Schließlich pflanzten und kultivierten wir 11 000 Balkonkästen pro Jahr.

Meine Söhne stellten das Programm ein, als sie die Gärtnerei übernahmen. Der Gisinger Betrieb wurde unter ihrer Leitung umstrukturiert.  Ich bedaure das sehr, aber auch ich habe nicht das gemacht, was mein Vater wollte, und deshalb ist mir das gute Verhältnis zu meinen Söhnen wichtiger als das gute Balkonkastenprogramm.